Latein – quid ad nos? Warum sollte man heute noch Latein lernen, obwohl Latein eine vermeintlich „tote“ Sprache ist? Doch Totgesagte leben länger. Latein lebt fort, zum Beispiel:
- In Fachsprachen: Beginnend bei Namen (z.B. Felix von felix – der Glückliche) über gesellschaftliche Schlüsselbegriffe (z.B. Demonstration von demonstrare – zeigen) bis hin zu Terminologien verschiedener Fachrichtungen (z.B. Fraktur von frangere – zerbrechen) – unsere discipuli discipulaeque lernen, sich die Bedeutung dieser Begriffe durch die lateinische Wurzel zu erschließen. Dadurch verbessern sie stetig ihre Lesekompetenz von Fachtexten.
- In den modernen Fremdsprachen: Wer auf Latein gelernt hat, dass pax Friede heißt, versteht auch leicht, was peace im Englischen, pace im Italienischen, paz im Spanischen und paix im Französischen heißt. Solche Sprachverwandtschaften ermöglichen unseren discipuli discipulaeque ein leichteres Erlernen weiterer Fremdsprachen.
- In der europäischen Kultur: Sowohl Architektur als auch Kunst und Literatur wurden und werden auch heute noch von der Antike geprägt. So geht beispielsweise Shakespeares „Romeo und Julia“ auf den antiken Mythos von Pyramus und Thisbe zurück. In der antiken Philosophie werden außerdem politische und philosophische Grundfragen gestellt, die unsere discipuli discipulaeque auch heute noch beschäftigen und zum Nachdenken anregen (z.B. Was ist der ideale Staat? Wie führt man ein glückliches Leben?).
In unserem Lateinunterricht arbeiten wir zunächst mit dem Lehrbuch, später mit Auszügen aus Originaltexten aus den Bereichen Dichtung, Philosophie, Rhetorik und Geschichtsschreibung. Im Zentrum des Unterrichts steht dabei die Übertragung lateinischer Texte in die deutsche Sprache. Nicht selten wiederholen wir dabei auch die deutsche Grammatik und schulen so en passant die Ausdrucksfähigkeit in der Muttersprache.
Ziel des Unterrichts ist jedoch nicht das reine Übersetzen lateinischer Texte, sondern auch deren Interpretation. Wir gliedern Texte, vergleichen Texte mit Paralleltexten, Bildern und Musikstücken oder setzen uns kreativ mit Texten auseinander.
Neben der Vermittlung von Sprach- und Textkompetenz legen wir Wert darauf, den Schülern auch die Geschichte und Kultur der Antike nahe zu bringen. Daher veranstalten wir bereits im ersten Lernjahr in Kooperation mit dem Fach Geschichte eine Exkursion in das Römermuseum Osterburken. Dort können die Kinder in Workshops wie beispielsweise "römische Mode", "antike Medizin" und "Inschriften" die Antike hautnah in ihrer unmittelbaren Umgebung erleben. Darüber hinaus haben die Schüler bei den Projekttagen die Möglichkeit, selbst römische Rezepte auszuprobieren. In der Kursstufe bieten wir eine Studienfahrt nach Rom an, auf der die Schüler die Möglichkeit haben, die weltbekannten antiken Monumente, wie z.B. das Kolosseum, das Forum Romanum und den Circus Maximus vor Ort zu besichtigen.
In diesem Sinne - non scholae, sed vitae discimus!